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Erfahrungsberichte

Erlebnis an einem Gymnasium

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Bhakdi und Mitglieder,

was wir gerade als Familie am Gymnasium unserer beiden Töchter erleben, ist so eine psychische Belastung für die ganze Familie wie wir es noch nicht erlebt haben. Zum täglichen Alltag mit den Corona-Maßnahmen, die schon so belastend genug sind, ist jetzt noch dazu gekommen, dass eine Lehrerin positiv getestet wurde. Daraufhin wurden zuerst die Kinder getestet, die Kontakt mit der Lehrerin hatten. Weil darunter 20 positive Fälle waren, wurden jetzt alle Schüler/-innen und Lehrer/-innen getestet. Unser Ergebnis erhalten wir morgen.

Es hat keiner der positiv getesteten Personen Symptome. Alle müssen jetzt 14 Tage in Quarantäne, bei den positiv getesteten auch deren Familien.

Unsere ältere Tochter hat gerade ihr Abiturjahr beendet und wir können uns leider gar nicht so richtig über das gute Ergebnis freuen. Es gibt voraussichtlich keine richtige feierliche Zeugnisausgabe, keinen Abiball und keine Abschlussfahrt. Es ist einfach nur traurig.

Wir hören gerne Ihre Interviews und lesen Ihre Beiträge. Vielen herzlichen Dank für Ihren unermüdlichen Einsatz! Hoffentlich bekommen wir endlich unsere Rechte und Freiheiten zurück!

Mein Mann und ich sind in der DDR aufgewachsen und waren damals so froh über den Fall der Mauer und die gewonnene Freiheit. Wir wollen nicht akzeptieren, dass uns dies nach 30 Jahren wieder genommen wird.

Sie können unsere Erfahrung auch gern weitergeben. Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg und werden Ihre Arbeit weiter verfolgen und unterstützen.

Ich kann die Geschichte nun auch noch ein Stück weitererzählen. Unsere jüngere Tochter wurde negativ getestet, muss aber trotzdem 14 Tage in Quarantäne. Der Rest der Familie muss nicht zum Test und nicht in Quarantäne. Es gab bisher wohl 24 positiv getestete Personen, aber alle ohne Symptome.

Nun wird weiter getestet, auch im Umfeld der Schule. Besonders schlimm an der Sache ist und war auch der Umgang der Medien mit den Ereignissen. Die Medien waren teilweise früher informiert als die betroffenen Familien. Durch die Berichterstattung kam es dazu, dass Kinder von betroffenen Familien nicht mehr in die Kitas, andere Schulen, Sportvereine, Musikschulen, Tanzschulen oder andere Einrichtungen kommen durften, da ein Geschwisterkind an dem betroffenen Gymnasium lernt. Dabei gab es keine behördliche Anweisung dafür.

Es gab eine Flut von Anfragen von Bekannten; Freunden u.s.w. in den betroffenen Familien. Ich kann nur sagen, es ist eine fürchterliche Belastung für die Psyche aller Betroffenen. Es tut mir auch sehr leid für das gesamte Lehrerkollegium. Sie machen sich nun auch teilweise Vorwürfe, was in meinen Augen völlig unberechtigt ist. Sie haben immer eine hervorragende Arbeit geleistet und sind stets um das Wohl der Kinder bemüht.

Wir hoffen, dass sich die Situation nun entspannt und alle auch seelisch zur Ruhe kommen können. Aber dieser Umgang mit dem Virus spaltet die Gesellschaft und macht die Menschen psychisch krank und dies schwächt wiederum das Immunsystem.

Familie Endig, 20.06.20